{"id":1220,"date":"2017-04-28T16:26:57","date_gmt":"2017-04-28T15:26:57","guid":{"rendered":"http:\/\/lu-x.de\/blog\/?p=1220"},"modified":"2017-04-28T16:26:57","modified_gmt":"2017-04-28T15:26:57","slug":"exklusivinterview-zu-krypta-1-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ludwig-schmidtpeter.de\/index.php\/installation\/exklusivinterview-zu-krypta-1-0\/","title":{"rendered":"Exklusivinterview zu krypta 1.0"},"content":{"rendered":"<h1><strong><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-size: small;\">Interview zwischen lu-x.de und Ludwig Schmidtpeter \u00fcber krypta 1.0, 2004 <\/span><\/span><\/strong><\/h1>\n<hr noshade=\"noshade\" size=\"1\" \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>lu-x.de:<\/strong> Herr Schmidtpeter, Sie arbeiten sonst mit Fotografie und sitzen viel am Computer &#8211; nun zeigen Sie uns einen Haufen Sperrm\u00fcll aus Ihrer Dachkammer. Wo sind die funktionierenden Bildschirme und Beamer zur Pr\u00e4sentation Ihrer Arbeit?<\/p>\n<p><strong>LS:<\/strong> Ich wollte mal raus aus dem Rechnerdasein und was Haptisches, Plastisches machen, bevor ich mich in digitalen Staub aufl\u00f6se.<\/p>\n<p>Ich war das st\u00e4ndige Gefeilsche um irgendwelche High Tech Ger\u00e4tschaften leid. Leute, die mit neuen Medien arbeiten, sind manchmal mehr damit besch\u00e4ftigt, die Ger\u00e4te aufzutreiben, als an Inhalten zu arbeiten. Das Medium ist die Botschaft &#8211; es geht also gar nicht um das, was in der Hi-TecKiste drinsteckt, sondern darum, <strong>dass<\/strong> da so eine Kiste steht.<\/p>\n<p>Ich habe beschlossen, bei dieser Arbeit das Problem der Ger\u00e4te zu thematisieren &#8211; das kann man am besten, indem man etwas (z.B. eine Workstation) hinstellt, die nur den Anschein einer Funktion erf\u00fcllt &#8211; dazu ben\u00f6tigt das Ding keinen Strom. Es sollte symbolisch funktionieren &#8211; eher als Ort der Meditation.<br \/>\n[Es regt mich, nebenbei bemerkt \u00fcbrigens total auf, dass es noch keinen Tatort gibt, bei dem das Nicht-Funktionieren der Neuen Medien thematisiert wird. Im Gegenteil, man gibt sich konform. So sieht es doch nicht in Wirklichkeit aus. Oder sind dies bereits die Verstrickungen von Product Placement und Produktionskosten?]\n<p>Anders ausgedr\u00fcckt: Ich wollte weitgehend auf elektrischen Strom verzichten, weil mir klar geworden war, dass ich wirksamer medienkritisch arbeiten kann, indem ich aus dem Rechner als &#8222;funktionierendes Universum&#8220; aussteige. Also simuliere ich mit verschiedenen Hardwareteilen einen Rechner &#8211; als tempor\u00e4res Objekt ohne Strom.<\/p>\n<p><strong>lu-x.de:<\/strong> Ihre Arbeit hei\u00dft krypta 1.0 &#8211; warum?<\/p>\n<p><strong>LS:<\/strong> Eine Krypta ist \u00fcblicherweise ein Gew\u00f6lbekeller unter einer Kirche. Der Wortstamm hat zu tun mit dem Verborgenen. Das mathematische Fachgebiet Kryptographie ist wieder popul\u00e4r geworden, weil zunehmend gesch\u00fctzte pers\u00f6nliche Daten verschl\u00fcsselt \u00fcber abh\u00f6rbare Kan\u00e4le \u00fcbertragen werden [Internet]. Es geht also um das Verbergen &#8211; das Verschl\u00fcsseln von empfindlichen Daten zur \u00dcbersendung an einen Empf\u00e4nger der einen Schl\u00fcssel ben\u00f6tigt, um diese Daten wieder lesen (dekodieren) zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>lu-x.de:<\/strong> Beantworten Sie bitte ohne Umschweife meine Frage.<\/p>\n<p><strong>LS:<\/strong> Es gibt alles, was eine moderne Krypta braucht:<br \/>\neinige Gr\u00e4ber, die bereits gehoben wurden, dann ist da nat\u00fcrlich noch die Grabungs- und Medienrecyclingstelle (die ich aber gern im Dunklen stehen lassen m\u00f6chte, weil hier noch gearbeitet wird.) Eine Krypta braucht eine braucht eine starke zentrale Achse und ein paar Grabnischen. Eine Krypta hat eine flache Decke.<\/p>\n<p>Der Raum befindet sich aber nicht unterhalb einer Kirche sondern unterhalb eines prominenten Barockgeb\u00e4udes in der Stadt Saarbr\u00fccken &#8211; im sogenannten Studentenkeller des Stengelhauses. Es ist eine s\u00e4kulare Krypta. Es geht hier also nicht um Gott sondern um einen selbstgeschaffenen Platzhalter mit Machbarkeitsphantasien [Technik]. Auf einer anderen Ebene geht es um die Frage, was sich im Keller einer Kunsthochschule als Rumpelkammer ansammeln k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Meine Krypta soll zudem eine Kontextverschiebung erzeugen. Wo befinde ich mich? Zu welchem Anlass? Was ist hier erlaubt und was nicht? Ist das hier eine Rumpelkammer oder ist das hier eine Ansammlung von Readymades? Aber was machen die Readymades, wenn die Ausstellung vorbei ist? Bleiben sie Readymades oder werden sie wieder r\u00fcckgef\u00fchrt in ihren urspr\u00fcnglichen Kontext [Abstellkammer]. Befinde ich mich in einem Labor, in dem nichts funktioniert?<\/p>\n<p>Und was ist mit der Dokumentation &#8211; das ist doch Teil des Ganzen &#8211; letzlich ist es das, was \u00fcbrig bleibt, wenn alle nach Hause gegangen sind &#8211; und wir wissen heute nicht mehr, was davon nun erstunken und erlogen ist.<\/p>\n<p>Wenn irgendwo Irritation gefordert ist, dann doch wohl in der Bildenden Kunst. Das funktioniert aber bestenfalls immer nur einen Augenblick.<\/p>\n<p>Eine Krypta 1.0 ist eine Krypta aus dem ausgehenden 20. JH [wir reden hier \u00fcber einen Zeitraum von etwa 10 Jahren &#8211; und das bedeutet den Sprung von der CD zur DVD, von der 8Gb zur 250 Gb Festplatte von 98 zu XP von ISDN zu DSL, etc]. Das bedeutet auch, dass es Polaroids und Dias auf Film und Film \u00fcberhaupt und Schwarz-Wei\u00df Papier und alles, was die Fotografie <u>vor<\/u> ihrer digitalen Erscheinungsform ausgemacht hat &#8211; nicht mehr lange geben wird. Die Krypta ist ein Requiem auf die Technologie von gestern.<\/p>\n<p>Die Lebenszyklen der Medien verk\u00fcrzen sich. Ich mag das Alter der 3,5 Zoll Diskette nicht genau bestimmen, sch\u00e4tze aber etwa von 1980 bis zum Jahr 2000. Das der CD etwa von 1985 bis zum Jahr 2004 &#8211; auch, wenn sie noch eine Weile lesbar sein wird. Die DVD ist gerade dabei, von immer billiger werdenden Festplattenspeichern \u00fcberrollt zu werden. Ich bin wirklich gespannt, wann ich meinen f\u00fcnf Jahre alten Rechner verschrotten kann, nicht etwa, weil er nicht mehr funktioniert, sondern weil er aufgrund des Fortschritts nicht mehr kompatibel ist zu zeitgen\u00f6ssischen Ger\u00e4ten und Anwendungen. Dann kann man sich entscheiden, ob man fortan ein technologischer Dinosaurier sein m\u00f6chte, oder aber Geiz ist Geil ruft und weiter konsumiert.<\/p>\n<p><strong>lu-x.de:<\/strong><br \/>\nSind sie ein Fortschrittsfeind?<\/p>\n<p><strong>LS:<\/strong><br \/>\nIch glaube jedenfalls nicht, dass die Menschen dadurch gl\u00fccklicher werden, dass fortan Maschinen die Arbeit f\u00fcr sie verrichten.<br \/>\nAber nat\u00fcrlich versuche ich, die eigene Arbeit weiter zu ver\u00e4ndern &#8211; m\u00f6glicherweise zu verbessern. Nichts ist best\u00e4ndiger als der Wandel, hei\u00dft es immer so sch\u00f6n.<\/p>\n<p><strong>lu-x.de:<\/strong><br \/>\nSo ganz klar ist mir die Sache aber immer noch nicht.<\/p>\n<hr noshade=\"noshade\" size=\"1\" \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview zwischen lu-x.de und Ludwig Schmidtpeter \u00fcber krypta 1.0, 2004 &nbsp; lu-x.de: Herr Schmidtpeter, Sie arbeiten sonst mit Fotografie und sitzen viel am Computer &#8211; nun zeigen Sie uns einen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1278,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,15],"tags":[114,125],"class_list":["post-1220","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-installation","category-text","tag-interview","tag-krypta-1-0"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ludwig-schmidtpeter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1220","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ludwig-schmidtpeter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ludwig-schmidtpeter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ludwig-schmidtpeter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ludwig-schmidtpeter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1220"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ludwig-schmidtpeter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1220\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ludwig-schmidtpeter.de\/index.php\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ludwig-schmidtpeter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1220"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ludwig-schmidtpeter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1220"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ludwig-schmidtpeter.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1220"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}