{"id":801,"date":"2016-11-16T01:02:35","date_gmt":"2016-11-16T00:02:35","guid":{"rendered":"http:\/\/lu-x.de\/blog\/?p=801"},"modified":"2016-11-16T01:02:35","modified_gmt":"2016-11-16T00:02:35","slug":"armin-rohr-zu-drive-by-shooting","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ludwig-schmidtpeter.de\/index.php\/text\/armin-rohr-zu-drive-by-shooting\/","title":{"rendered":"Armin Rohr zu Drive-by-Shooting"},"content":{"rendered":"<h3>Armin Rohr \u00fcber drive-by-shooting<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zentrales Bild der Arbeit ist das Fliesenmuster eines sog. QR Codes. Ich zitiere der Einfachheit halber aus Wikipedia:<\/p>\n<p>\u201e Der QR Code (QR steht f\u00fcr englisch: quick response = schnelle Antwort) ist ein zweidimensionaler (2D) Code, der von der japanischen Firma Denso Wave im Jahr 1994 entwickelt wurde.<\/p>\n<p>Der QR Code besteht aus einer quadratischen Matrix aus schwarzen und wei\u00dfen Punkten, welche die codierten Daten im Dualsystem darstellen. Eine spezielle Markierung in drei der vier Ecken des Quadrats gibt die Orientierung vor.<\/p>\n<p>Die Daten im QR Code sind redundant vorhanden. Selbst wenn bis zu 30% des Codes zerst\u00f6rt sind, kann er dennoch entschl\u00fcsselt werden\u2026.\u201d<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeiten der QR Code Technologie sind sehr vielf\u00e4ltig. \u201eMobile tagging\u201d nennt sich die M\u00f6glichkeit, mit dem Handy einen Code zum Beispiel von einem Veranstaltungsplakat abzufotografieren und so direkt z.B. auf eine Internetseite zu gelangen. Das bei umst\u00e4ndliche Eintippen einer Internetadresse wird \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Dort finde ich dann die gew\u00fcnschten Informationen z. B. einer Veranstaltung und im Idealfall kann ich telefonisch oder per Mail gleich noch das Ticket f\u00fcr die entsprechende Veranstaltung bestellen.<\/p>\n<p>Ludwig Schmidtpeter bringt in der Mitte eines stark vom Verkehr frequentierten Kreisels an einem Br\u00fcckenpfeiler einen QR Code aus Steingut-Fliesen an.<\/p>\n<p>Bei der Suche nach einem geeigneten Material f\u00fcr das Fliesenbild lie\u00df er sich von der Frage leiten: \u201eWie kann ich meine Art zu arbeiten in den \u00f6ffentlichen Raum tragen?\u201d Dahinter steckte der Anspruch, eine Arbeit zu schaffen, die nicht nach kurzer Zeit zerf\u00e4llt, sondern vielleicht Ihre Zeit \u00fcberdauert.<\/p>\n<p>Ich zitiere Ludwig Schmidtpeter:<\/p>\n<p>\u201eIdee &amp; gleichzeitige Frage ist, dass &amp; ob der QR Code als dauerhaft angelegtes Fliesenmuster die eingesetzte Technologie selbst \u00fcberlebt.D.h. wenn die Fliesen 10 Jahre halten, gibt es diese Technologie vielleicht schon gar nicht mehr. Das ist meine Spekulation.<\/p>\n<p>Dann wird man nur noch sagen k\u00f6nnen &#8211; ach ja &#8211; damals so um 2009 herum gab es diese Dinger. Das Muster ist ein Relikt aus dem Jahr 2009. Eine technische Ruine. F\u00fcr das menschliche Auge\/Hirn ohne konkrete inhaltliche Bedeutung.<\/p>\n<p>Der QR Code ist f\u00fcr mich die Ikone des Jahres 2009.\u201d<\/p>\n<p>(Ich m\u00f6chte Sie an dieser Stelle nur an die r\u00f6mischen Fliesen in Perl erinnern, die nun immerhin seit fast 2000 Jahren existieren)<\/p>\n<p>Arch\u00e4ologen &amp; Wissenschaftler sind in der Lage, uralte Schriften oder Bedeutungen &amp; Funktionen alter Kultst\u00e4tten zu entziffern &amp; zu entschl\u00fcsseln \u2013 der QR Code ist aber nur mit &amp; f\u00fcr einen Computer zu generieren &amp; zu verstehen.Wenn die Dinge des Alltags durch integrierte Chips und digitale Funktionen \u201eerweitert\u201c werden &amp; ihnen nicht mehr anzusehen ist, was sie sind und wozu sie sind, schwindet die M\u00f6glichkeit des Dechiffrierens, des Lesens der Dinge und damit die Sicherheit im Umgang mit ihnen. Ohne die geeigneten Werkzeuge entziehen sich die Dinge unserer Realit\u00e4t &amp; Erkennbarkeit. Ein semantisches Vakuum umh\u00fcllt das Ding (der dann irgendwann ironischer- oder witzigerweise \u2013 mit dem Wissen, dass es sich um einen Kunst- oder Kultgegenstand handelt, wieder mit einer v\u00f6llig anderen Bedeutung &amp; Inhalt aufgeladen werden kann \u2026)In einer ersten Idee sollte der Betrachter die stark befahrene Stra\u00dfe \u00fcberqueren &amp; den Code, sofern vorhanden \u2013 mit seinem QR Code f\u00e4higen Mobiltelefon abfotografieren. Wegen der starken Gef\u00e4hrdung f\u00fcr den Betrachter allerdings \u00e4nderte Ludwig Schmidtpeter seinen Plan.<\/p>\n<p>\u201eDas Fliesenmuster sollte m\u00f6glicherweise aus einem fahrenden Auto heraus abfotografiert werden. Die Arbeit ist eigentlich absurd. Sie spielt mit den technischen M\u00f6glichkeiten, die aber letztlich doch nicht oder nur unter exotischen Bedingungen funktionieren.<\/p>\n[Modernes Handy mit installierter Software, Software muss gestartet sein &#8211; m\u00f6glicherweise ist es kaum m\u00f6glich aus der Bewegung heraus einen QR Code zu Scannen].<\/p>\n<p>\u201eEr steht f\u00fcr unser derzeitiges gesellschaftliches Bed\u00fcrfnis, immer und \u00fcberall mobil und online zu sein. &#8211; M\u00f6glicherweise drehen wir uns aber damit im Kreis &#8211; wie an einem Verkehrskreisel.\u201d<\/p>\n<p>Falls es nun einem Betrachter tats\u00e4chlich gelingen sollte, das Muster zu fotografieren, wird er automatisch zu einem Video auf der Webseite von Schmidtpeter geleitet.<\/p>\n<p>Das Video beginnt mit einem Bild der QR-Fliese am Br\u00fcckenpfeiler. Offensichtlich aus dem Auto gefilmt, umrundet die Kamera den Kreisel, in dessen Mittel die Gestalt eines st\u00e4dtischen Bediensteten zu sehen ist \u2013 in einen orangen Arbeitsanzug gekleidet.<\/p>\n<p>In der Schusssequenz richtet die Gestalt die D\u00fcse eines Hochdruckreinigers auf dem Betrachter. In einer Schrecksekunde blendet das Video im Wasserstrahl aus der D\u00fcse lansam aus.<\/p>\n<p>Akustisch wird das Video begleitet von der Spieluhr-Melodie des bekannten Kinderliedes: \u201eLa le lu, nur der Mann im Mond schaut zu \u2026\u201d, was die Situation vollends ins Kafkaeske abgleiten l\u00e4sst. Ein gr\u00f6\u00dferer Kontrast als der zwischen dem Verkehrsl\u00e4rm um den Kreisel &amp; dem Lied ist nicht vorstellbar. Drive-by-shooting:<\/p>\n<p>\u201eDer Betrachter versucht etwas im Vorbeifahren festzuhalten\/zu fotografieren\/f\u00fcr sich zu vereinnahmen.<\/p>\n<p>Wenn er Erfolg hat, und das Handy ihn auf die entsprechende Seite bringt, wird er selbst abgeschossen.<\/p>\n<p>Damit das ganze aber nicht zu gewaltt\u00e4tig wird ist das Video als absurde Szene gedreht worden &#8211; aus dem fahrenden Auto heraus; der Schuss ist ein Strahl Wasser aus dem Hochdruckreiniger.\u201d<\/p>\n<p>So unterzieht Ludwig Schmidtpeters Arbeit unseren Umgang &amp; unsere Abh\u00e4ngikeit einem technologiekritischen Blick, der uns ermahnt, misstrauisch &amp; wachsam zu sein &amp; unseren Umgang mit neuen Technologien zu hinterfragen.Hier denke ich, ist sein Ansatz nicht nur ein spezieller, sondern durchaus ein allgemeiner &amp; betrifft somit nicht nur die neuen Medien, Computer- &amp; Internettechnologien , sondern zielt auf unsere Technologieh\u00f6rigkeit &amp; Machbarkeitsglauben unserer Gesellschaft. Nicht alles, was machbar ist, ist auch notwendig &amp; erw\u00fcnscht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Armin Rohr \u00fcber drive-by-shooting &nbsp; Zentrales Bild der Arbeit ist das Fliesenmuster eines sog. QR Codes. 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